mephisto

Die Kurspräparate des Instituts für Anatomie und Zellbiologie der Universität Gießen

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Epithel

Übersicht

epi, gr.: auf
thele, gr.: Brustwarze

  • Grenzgewebe, das die Oberflächen des Körpers bedeckt und seine inneren Hohlräume auskleidet
  • Oberflächenepithel: auf Körperoberfläche, Körperhöhlen, weitlumige Hohlräume
  • Drüsenepithel
  • Gangepithel
  • Sinnesepithel
  • Exoepithelien: stehen direkt oder über Gangsysteme mit der Aussenwelt in Verbindung
  • Endoepithelien: kleiden innere Kompartimente aus
  • Herkunft: entstehen aus allen Keimblättern
    • Mesoderm -> Epithelien der Blutgefäße, Körperhöhlen, Nierentubuli und innere Geschlechtsorgans
    • Endoderm -> Epithelien von Rumpfdarm und unteren Atemwegen
    • Ektoderm -> Epidermis, Brust- und Speicheldrüsenepithel, Epithelien des Innenohrs
    • Neuroektoderm -> epitheliale Auskleidung des Hirnventrikels, Pigment, Ziliar- und Irisepithel des Auges

Strukturelle Merkmale

  • Begrenzung von mit Flüssigkeiten oder Luft gefüllten Kompartimenten
  • Solider Zellverband ohne Blutgefäße
  • Vorhandensein einer Basallamina, die die Epithelien mit dem unterliegenden Gewebe verbindet

Strukturelle Klassifizierung

  • einschichtige Epithelien
  • Übergangsepithel
  • mehrschichtige Epithelien

Einschichtige Epithelien

  • Zellen fußen mit ihren basalen Zellabschnitten auf der Basallamina
  • im einfachen Epithel (Epithelium simplex) erreichen alle Zellen mit ihrem apikalen (luminalen) Zellpol die Oberfläche des Epithel, Zellkerne liegend dann annähernd auf gleicher Höhe
  • im mehrreihigem Epithel (Epithelium pseudostratificatumo) erreicht nur ein Teil die apikale Seite (aber alle Zellen sind basal mit der Basallamina verbunden)
Bei allen einschichtigen Exoepithelien kommen Zytokeratinfiliamente vom Typ 8 und 18 vor.
Einteilung nach Zellform
  • Einfaches Plattenepithel (Epithelium simplex squamosum)
    • Durchmesser der Basis der Zellen wesentlich größer als Höhe
    • Beispiele: Alveolarzellen der Lunge, Epithel der dünnen Abschnitte der HENLEschen Schleife der Nierentubuli, Epithelauskleidung der Körperhöhlen (Mesothel), innere Auskleidung der Blutgefäße (Gefäßendothel) und das innere Epithel der Hornhaut des Auges (Korneaendothel)
  • Einfaches kubisches (isoprismatisches) Epithel (Epithelium simplex cuboideum)
    • Breite und Höhe der Zellen etwa gleich groß
    • Beispiele: Kortikale Sammelrohre der Niere, Linsenepithel, Epithel kleiner Gallengänge
  • Einfaches Säulenepithel (zylindrisch, hochprismatisch) (Epithelium simplex columnare)
    • Zellen sind höher als breit
    • Beispiele: Nierenpapillen, Oberflächenepithel des Magens und Darms, der Gebärmutter und des Eileiters sowie der Bronchiolen die meisten exokrinen Drüsen gehören zu dieser Epithelform
  • Mehrreihiges (pseudostratifiziertes) Epithel (Epithelium pseudostratificatum)
    • alle Zellen haben Kontakt zur Basallamina, aber nicht alle erreichen die Oberfläche (Basalzellen)
    • evtl. sind die Basalzellen teilungsfähige Stammzellen aus denen das Oberflächenepithel hervorgeht
    • Beispiele: Kinozilien-tragendes Epithel (Flimmerepithel) der Atemwege, Epithel des Nebenhodenganges

Oberflächendifferenzierungen

  • Mit glatter Oberfläche
    • nur wenige Mikrovilli und Microplicae sind vorhanden
    • Beispiele: Gefäßendothelzellen, distale Tubuli und Sammelrohe der Niere, Oberflächenepithel des Magens, die Epithelien der meisten exokrinen Drüsen
  • Mit Bürstensaum
    • dichter Besatz der Zelloberfläche mit Mikrovilli
    • Beispiele: Epithel von Darm, Gallenblase und proximalen Tubus der Niere
  • Mit Stereozilien
    • stereos, gr.: steif; cilium, lat: Augenwimper
    • Büschel von langen, flexiblen Microvilli der Samenwege des Mannes (Samenwegs- Stereozilien) und der Sinnesepithelien des Innenohrs (Innenohr-Stereozilien)
    • Zilien mit Actinfiliamenten
  • Mit Kinozilien
    • meistens hochprismatische Epithelien
    • Kinozilien können durch Mikrotubulussystem eine gerichtete Bewegung ausführen
    • Beispiele: Nasenhöhle, Bronchiolen, Eileiter, Ependym

Übergangsepithel, Urothel (Epithelium transitionale)

  • mehrschichtiges bis mehrreihiges Epithel, beschränkt auf die harnleitende Organe: Nierenbecken, Urether, Harnblase, proximale Teil der Harnröhre
  • besteht aus Basalzellen, Intermediärzellen und Superfizialzellen (Deckzellen)
  • Deckzellen oft mehrkernig, buckeln sich in das Lumen vor, haben basal stielförmige Ausziehungen (partielle Mehrreihigkeit, “umbrella cells”)
  • Deckzellen bilden Barriere zum Harn, Schutz durch gut ausgebildete Zonulae occludentes mit vielen Leisten und durch rigide plattenförmige Areale der apikalen Plasmamembran (Plaques)
  • Uroplakin Ia, Ib, II und III

Mehrschichtige Epithelien (Epihelium stratificatum)

Bei den mehrschichtigen Epithelien sind die Epithelzellen in mehreren Schichten übereinander gelagert: Basalzellschicht, Intermediärzellschicht, Superfizialzellschicht

Mehrschichtiges prismatisches Epithel

Epithelium stratificatum cuboideum/columnare
  • besteht aus 2-5 Zelllagen
  • Superfizialzellen iso- bis hochprismatisch
  • Beispiele: distale Abschnitte der männlichen und weiblichen Harnröhre, Epithel der Umschlagfalte der Bindehaut des Auges, Epithel der Hauptausführungsgänge der Mundspeicheldrüsen

Mehrschichtiges unverhorntes Plattenepithel

Epithelium stratificatum squamosum noncornificatum
  • Epithelzellen nehmen mit zunehmender Entfernung von der Basalzellschicht eine abgeplattete Form an
  • Superfizialzellen besitzen Zellkern
  • Vorkommen: mechanisch beanspruchte Stellen im Bereich der Anfangs- und Endabschnitte des Verdauungs- und Urogenitaltraktes (Mundhöhle [außer hartem Gaumen und Zahnfleisch], Speiseröhre, Analkanal [Zona alba], Vagina, Mündungsbereich der Harnröhre) sowie äußere Epithelbedeckung des Auges (Cornea, Conjunctiva)

Mehrschichtiges verhorntes Plattenepithel

Epithelium stratificatum squamosum cornificatum
  • Besonderheiten gegenüber unverhornten Platteneptihel: Stratum superficiale besteht aus verhornten, abgestorbenen Zellen, dem Stratum corneum
  • Stratum intermedium gliedert sich in das (basale) Stratum spinosum und in das (apikale) Stratum granulosum
  • Unterscheidung in Orthokeratinisiertes Epithel mit deutlichem Stratum granulosum und zellkernfreier Hornschicht und Parakeratinisiertes Epithel mit schwach ausgeprägtem Stratum granulosum und vereinzelten Zellkernen im Stratum corneum

Topologische Klassifizierung

Exoepithel

Epithel der Köperoberfläche (Epidermis) und alle Epithelien mit direkter oder indirekter Verbindung zur Körperoberfläche

  • Epithelien der Hautdrüsen
  • Epithelien des gesamten Verdauungssystems (Kopf- und Rumpfdarm)
  • Epithelien des gesamten Atemsystems einschließlich der Nasennebenhöhlen und des Mittelohrs
  • Epithelien der männlichen und weiblichen Geschlechtsorgane
  • Epithelien des Harnsystems (Nierentubuli und harnleitende Organe)

Endoepithel

Endoeptihel kleidet innere Hohlräume aus, die keine Verbindung zur Körperoberfläche haben.
  • epitheliale Auskleidung des Herz-Kreislauf-Systems (“Endothel”)
  • Auskleidung der Lymphgefäße (“Endothel”)
  • Auskleidung der Körperhöhlen (“Mesothel” der Brust-, Bauch- und Perikardhöhle)
  • inneren Epithelien von Auge und Innenohr
  • Epithelien von Schilddrüse, Ovarfollikel, Flüssigkeitsräume des Gehirns (Ependym, Plexusepithel, Neurothel)
Exo- und Endoepithelien werden nach ihrer Lokalisation eingeteilt in Oberflächenepithel, Gangepithel und Drüsenepithel

Epitheliale Funktionen

  • Barrierefunktion
  • Physikalische Barriere
  • Chemische Barriere
  • Transportfunktion
  • Resorption
  • Sekretion

© 2006–2017, Institut für Anatomie und Zellbiologie II der Universität Gießen

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